top of page

Große Frauen beim Eurovision Song Contest: Nurit Hirsh


Der Eurovision Song Contest kennt viele Geschichten starker Frauen, doch nur wenige haben die Musikszene ihres Landes so sehr geprägt wie die israelische Komponistin, Arrangeurin und Dirigentin Nurit Hirsh. Sie war die erste Frau, die 1978 einen ESC-Siegertitel dirigierte – auch wenn sie nicht als erste Frau am Dirigentenpult in die Geschichte des Wettbewerbs eingeht. Dafür zählen ihre Kompositionen zum festen Kanon der israelischen Lieder, die in aller Welt bekannt sind.


Nurit Hirsh – Symphonie eines Lebens

Nurit Hirsh wurde am 13. August 1942 in Tel Aviv geboren. Sie studierte Klavierspiel und Klarinette an der Rubin Academy of Music, wo sie sich auf Komposition und Arrangement spezialisierte. Während sie ihren Wehrdienst im Musikcorps der israelischen Armee absolvierte, entdeckte sie zudem ihre Leidenschaft für Jazz. In dieser Zeit entstand auch der Titel „Perach Halilach“ (Die Fliederblüte), der, gesungen von Chava Alberstein, zu Nurit Hirshs erstem Hit werden sollte. Anschließend setzte sie ihre Ausbildung an der University of California mit den Schwerpunkten Filmmusik, elektronische Musik und U-Musik fort.


Welthits mit Volksliedstatus

Diese Zeit prägte nicht nur ihre weitere Karriere, sondern festigte auch ihren einzigartigen Beitrag zur israelischen Volksmusik. 1969 schrieb Hirsh den Titel „Oseh Shalom Bimromav“ (Der Du Frieden schaffst in der Höh), der beim Chassidischen Songfestival zwar nur den dritten Platz belegte, aber so große Popularität erlangte, dass er mittlerweile als Teil der Liturgie in Synagogen in der ganzen Welt gesungen wird. Zwei Jahre später, 1971, schrieb sie auf einen Text von Ehud Manor, den er im Gedenken an seinen gefallenen Bruder geschrieben hatte, den Titel „BaShana HaBa’a“ (Nächstes Jahr“, der von Ilan & Ilanit gesungen zum Welthit wurde. Die Version von Nilüfer ist in der Türkei bis heute ein Evergreen, es gibt sogar eine iranische Fassung.


Dort – dort habe ich ein altes, schlafendes Lied gehört, dort – dort scheint der Mond, Nacht für Nacht, irgendwo dort – dort finden wir zusammen den Garten, den Garten der Liebe

Wegbereiterin der israelischen ESC-Teilnahme

Ein weiter Höhepunkt der Karriere von Nurit Hirsh war zweifelsohne ihre Teilnahme am Eurovision Song Contest 1973, als sie mit „Ey Sham“ (Irgendwo) den ersten israelischen Beitrag in der Wettbewerbsgeschichte komponieren, arrangieren und dirigieren durfte. Aufgrund der späten Startnummer Israels, die auf die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen während des Wettbewerbs zurückzuführen war, durfte sie allerdings nicht als erste Frau an einem ESC-Dirigentenpult stehen – diese Ehre wurde der Schwedin Monica Dominique zuteil, die fünf Startnummern vor Nurit Hirsh als erste Frau den Beitrag ihres Landes dirigierte.


Der erste Sieg

Dafür konnte sie 1978 – wieder in Zusammenarbeit mit Ehud Manor – den ersten ESC Sieg Israels für sich verbuchen. Mit „A-Ba-Ni-Bi“ (Ich … liebe dich) gelang ihr nicht nur ein historischer Sieg, sondern auch ein persönlicher Karrierehöhepunkt. Der Sieg bewies, dass Frauen sowohl als Komponistinnen als auch am Dirigentenpult den größten Musikwettbewerb der Welt gewinnen können. In der Folge gewann sie mit ihren Kompositionen vielen weitere Wettbewerbe, vor allem mit Kinderliedern, die einen nicht unbeträchtlichen Teil ihres Repertoires ausmachen.


Beitrag zum israelischen Kulturerebe

Doch Nurit Hirsh war nicht nur als Komponistin von Unterhaltungsmusik erfolgreich, auch im Bereich der Filmmusik war sie außerordentlich produktiv, schrieb die Soundtracks zu 14 Filmen sowie vielen Fernsehserien und mehreren Musicals. Mit ihren mittlerweile über 1 600 Kompositionen hat Nurit Hirsh das israelische Kulturerbe bereichert wie keine zweite und eine einzigartige Facette der israelischen Musiklandschaft geschaffen. 2016 wurde sie dafür mit dem Israel Prize ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung, die das Land für Kulturschaffende zu vergeben hat.


Dieser Blogbeitrag soll eine Einladung sein, sich von der Lebensgeschichte Nurit Hirshs inspirieren zu lassen – einer Pionierin, die nicht nur komponiert, arrangiert und dirigiert hat, sondern auch ein Rollenvorbild für viele Frauen war, die in der Musikwelt Fuß fassen und ihre eigenen Erfolgsgeschichten schreiben wollten. Nurit Hirsh feierte 2022 ihr 60-jähriges Bühnenjubiläum. Bis heute schreibt sie jeden Monat bis zu 35 Songs. Ihre Kinder, die Opernsängerin Ruthie Rosenfeld und der Schlagzeuger Danny Rosenfeld, sind ebenfalls erfolgreich im Musikbusiness tätig.

3 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page