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Deutschland und der Eurovision Song Contest – Eine Erfolgs- und Leidensgeschichte

Seit 1956 verzaubert der Eurovision Song Contest (ESC) ein Millionenpublikum in ganz Europa und darüber hinaus. Mit aufwändigen Choreografien, auffälligen Kostümen und jeder Menge mitreißender Musik führt der ESC Jahr für Jahr nicht nur unterschiedliche Länder und Kulturen zusammen, sondern auch Menschen jeglichen Alters. Deutschland, das von Anfang an beim ESC dabei war, erlebte in den vergangenen 67 Jahren Höhen und Tiefen, Siege und Niederlagen. Eines sei an dieser Stelle schon einmal verraten: Historisch gesehen, sieht es gar nicht sooo schlecht aus ...


Die drei ESC-Legenden Nicole, Katja Ebstein und Joy Fleming gemeinsam mit "Dr. Eurovision" Irving Wolther
ESC-Legenden unter sich: Nicole, Katja Ebstein und Joy Fleming mit "Dr. Eurovision" Irving Wolther

Die schwierigen Anfänge – Keiner mag uns, und aus Gründen

Dass der erste Eurovision Song Contest so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit deutschen Teilnehmern über die Bühne ging (Walter Andreas Schwarz und Freddy Quinn, der eigentlich Österreicher ist), ist nicht selbstverständlich: Die ARD war erst zwei Jahre nach Gründung der Europäischen Runkfunkunion (EBU) in die Organisation aufgenommen worden, und deutsche Künstler*innen wurden im Ausland selten mit offenen Armen empfangen. Deutschland erzielte damals eher mäßige Platzierungen, darunter auch zweimal in Folge den letzten Platz mit 0 Punkten (1964 und 1965).


Der stete Weg nach oben – Wir sind wieder wer

Ab Mitte der 1960er Jahre ging es mit den Plätzen langsam aber stetig aufwärts. Den Höhepunkt dieser Ära bildeten die beiden dritten Plätze von Katja Ebstein 1970 und 1971 mit "Wunder gibt es immer wieder" und "Diese Welt" und im Jahr darauf mit Mary Roos und "Nur die Liebe lässt uns leben". Anschließend landete Deutschland immer wieder in den Top 10, sei es mit der Gruppe Silver Convention 1977 auf Platz 8 oder mit der Gruppe Dschinghis Khan auf Platz 4.


Die Ära Siegel – Ein bisschen siegen

In den 1980er Jahren dominierte das Autorenduo Ralph Siegel und Bernd Meinunger die deutschen Vorentscheidungen und schaffte nach zwei zweiten Plätzen den von vielen nicht für möglich gehaltenen Sieg beim Eurovision Song Contest mit Nicoles "Ein bisschen Frieden". Siegel/Meinunger gelangen in der Folge immer wieder hervorragende Platzierungen, doch viele ihrer Herzensprojekte stießen beim europäischen Publikum auf wenig Gegenliebe.


Wachwechsel – Stefan Raab macht sich unentbehrlich

Gemeinsam mit Guildo Horn betrat 1997 Stefan Raab als "Alf Igel" die ESC-Bühne und sorgte in den Folgejahren immer wieder mit viel Musikgespür für Top-10-Platzierungen. Außerhalb dessen landeten die deutschen Teilnahmen meist im unteren Bereich des Rankings, und es schien, als habe das Land den Anschluss an den zeitgenössischen Musikgeschmack verloren. Kritiker bemängelten, dass die ausgewählten Songs nicht mitreißend genug waren und die Performance nicht zeitgemäß sei.


Love, oh, Love – Lena und der zweite ESC-Sieg

Dann kam das Jahr 2010, das sich als Wendepunkt für Deutschland herausstellen sollte. Mit der unbekümmerten Lena Meyer-Landrut und dem Song "Satellite" fand Deutschland endlich wieder den Erfolg, den es so lange vermisst hatte. Doch Stefan Raab, unter dessen Fittichen Lena zum Sieg gelangt war, wollte noch mehr und kündigte bei der Siegerpressekonferenz an, dass Lena den Tietel verteidigen und Deutschland erneut beim ESC vertreten werde.


Die Folgejahre – wenig Licht und viel Schatten

Seither geht es für Deutschland beim ESC mehr ab als auf. Nur dreimal konnten deutsche Künstler Top-10-Platzierungen erzielen, darunter ein achter Platz für Roman Lob 2012 und ein vierter Platz für Michael Schulte 2018. Dafür häuften sich die Fälle, in denen Deutschland auf den letzten und vorletzten Plätzen landete. Doch wie sang Katja Ebstein so schön: "Wunder gibt es immer wieder ..."


Auch wenn die Geschichte Deutschlands beim Eurovision Song Contest eine Achterbahnfahrt der Gefühle ist, steht eines fest: Der Eurovision Song Contest wird immer ein fester Bestandteil der deutschen Musikgeschichte bleiben und hat ihr schon jede Menge Evergreens geschenkt. Und mit jedem Jahr bietet sich erneut die Möglichkeit, dass ein talentierter Künstler oder eine talentierte Künstlerin Deutschland stolz repräsentiert und zum Sieg führt. Doch egal ob wir siegen oder verlieren, der ESC zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass Musik eine universelle Sprache ist, die Grenzen überwindet und Menschen miteinander verbindet.

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