Ein Abend voller Magie, Mandeln und Erinnerungen – Dreikönig bei Edgar
- Dr. Eurovision

- 5. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Feiertage, die über die Jahre der Kommerzialisierung trotzen und einen besonderen Zauber bewahren. Das Dreikönigsfest gehört für mich unbedingt dazu. In Frankreich wird es nicht an einem einzigen Tag gefeiert, sondern begleitet uns den ganzen Januar über. Und so, wie man sich dort bis zum 31. Januar noch ein bonne année wünscht, hat auch das Dreikönigsfest für mich immer etwas Unbeschwertes, Zeitloses: ein stressfreier Nachklang der Weihnachtsfeiertage, eine letzte, genussvolle Verlängerung der festlichen Zeit.
Das Dreikönigsfest in Edgars Familie
Für mich hatte das Dreikönigsfest immer etwas Magisches. Nachdem das neue Jahr bereits Einzug gehalten hatte, durften wir noch einmal schwelgen: in gutem Essen, in gemeinsamer Fröhlichkeit, in dem Gefühl, dass der Alltag noch ein wenig warten muss. Bei uns gab es immer ein besonderes Menü – nichts Alltägliches, sondern Speisen, für die man sich Zeit nahm, ebenso wie für den gedeckten Tisch mit schönem Geschirr und Besteck. Und zum Abschluss natürlich: der französische Dreikönigskuchen.
Der Dreikönigskuchen – Geschichte und Varianten
Der Dreikönigskuchen hat eine lange Geschichte, die bis in die römische Antike zurückreicht. Schon bei den Saturnalien wurde ein „Bohnenkönig“ bestimmt – ein Spiel mit Rollen und Hierarchien, das später in das christliche Dreikönigsfest überging. Die Tradition der fève blieb erhalten: Ursprünglich war es tatsächlich eine getrocknete Bohne, heute meist eine kleine Porzellanfigur, die viele Familien sammeln.

In Frankreich kennt man vor allem zwei wesentliche Varianten:
die Galette des Rois im Norden – ein runder Blätterteigkuchen mit feiner Mandelcreme (Frangipane),
die Couronne oder Brioche des Rois im Süden – ein luftiger Hefekranz, oft mit kandierten Früchten geschmückt.
Ähnliche Traditionen finden sich in vielen Ländern Europas, vom spanischen Roscón de Reyes bis zu regionalen Varianten in der Schweiz, Belgien oder Deutschland. Immer geht es um Gemeinschaft, um Teilen – und um das spielerische Moment des Königs oder der Königin für einen Abend.
Vorfreude im Postpaket
In meiner Kindheit, in den 1970er Jahren, war dieser Kuchen etwas ganz Besonderes. Meine Großmutter schickte uns jedes Jahr nach Weihnachten (wahrscheinlich schon davor, aber die Post dauerte damal länger als heute) ein Paket aus Frankreich – randvoll mit Leckereien, die man in Deutschland damals nicht kaufen konnte: französische Salami, Bayonner Schinken, Lutscher der Marke Pierrot Gourmand. Und mittendrin lag sie, meist schon ein bisschen zerdrückt: die Galette des Rois, der klassische Blätterteigkuchen mit Mandelfüllung. In ihm verbarg sich eine kleine Porzellanfigur, die fève. Wer sie beim Essen fand, wurde König oder Königin des Abends. Eine passende Pappkrone lag natürlich auch dabei, wobei die Kronen der Vorjahre – wie die Porzellanfiguren, sorgfältig aufbewahrt wurden. Für die Sammelleidenschaft dieser Figürchen gibt es im Französischen sogar einen eigenen Namen: Fabophilie.
Ein Kuchen mit Regeln
Der Genuss des Kuchens unterliegt festen Regeln, die sich allerdings von Familie zu Familie unterscheiden. Da beim Anschneiden des Kuchens manchmal schon klar ist, in welchem Stück sich die Porzellanfigur befindet, werden die Stücke nach dem Zufallsprinzip verteilt: Der oder die jüngste Esser*in kriecht unter den Tisch, dann tippt die Person, die den Kuchen verteilt, auf eines der Stücke und fragt, wer es bekommen soll. Unter dem Tisch wird dann – ohne zu wissen, um welches Stück es sich handelt – der Name der Person verkündet, die es bekommt. Wenn sich darin die Figur befindet, erhält diese Person dann die Krone aufgesetzt und wird König oder Königin für einen Abend. Oft stellt sich das aber auch erst beim Essen heraus.
In manchen Familien war es Brauch, dass man dann an dem Abend vom Abwasch befreit war. Bei uns war das anders: Man durfte sich etwas wünschen. Und ich wusste ziemlich genau, was ich wollte. Mein Wunsch war immer derselbe – ein weiterer festlicher Abend. Noch einmal zusammen sitzen, essen, reden, lachen. Ich konnte davon einfach nicht genug bekommen. Und ehrlich gesagt: Das hat sich bis heute nicht geändert.
Dreikönig bei Edgar – Raum für dich
Heute ist der Dreikönigsabend bei Edgar – Raum für dich für mich zu einer liebgewonnenen Tradition geworden. Er knüpft an all diese Erinnerungen an und führt sie weiter. Alte und neue Freunde kommen um den Tisch zusammen, wir essen, reden, nehmen uns Zeit – und feiern genau das, was mir schon als Kind so wichtig war: das bewusste Innehalten im Winter, das gemeinsame Genießen, das Gefühl von Nähe.
Am 24. Januar laden wir wieder zum Dreikönigsabend bei Edgar ein. Wer neugierig ist auf französische Traditionen, festliche Genüsse und einen Abend, der den Winter ein kleines bisschen wärmer macht, ist herzlich willkommen. Vielleicht findet ja jemand die fève – und wünscht sich, genau wie ich damals, einfach noch einen weiteren festlichen Abend.




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